Danke Steve Jobs und Bill Gates für das Internet. Für vernachlässigte, einsame Frauen, ohne Mann, ist das ein wahrer Segen. Hier im Stuttgarter Chatroom habe ich meinen Traumstecher gefunden. Alles ist nach wie diskret und unverbindlich. Wir zwei wollen nur eines: ficken, vögeln, bumsen. In letzter Zeit allerdings gibt’s von seiner Seite so gewisse Anspielungen.
Was macht man als 45jähriger weiblicher Single in einer völlig fremden Stadt, ohne Bekanntenkreis. Zuerst treibt man sich in den Kaffeehäusern herum, geht spazieren, ins Schwimmbad, ins Fitnessstudio und wird abgeschätzt, taxiert, vermessen und gewogen. Alles nichts für mich. Ich bin 45, leidlich attraktiv, gestresst durch meinen Job, allein, aber beziehungsunwillig. Aber manchmal juckt es mich und ich brauche einen Mann. Der letzte, den ich hatte, war Durchschnitt, leider auch im Bett. Denn ich stelle mir ein wenig mehr vor als raus –rein, thank you Madame.
Eines langen, faden Abends trieb ich mich im Netz herum und kam auf die Seite eines Stuttgarter Chatrooms. Zuerst sah ich mich dort um, las die Profile der Männer, obwohl ich weiß, dass da gelogen wird. Manchmal chattete ich als Gast mit. Die blöden Antworten, die ich bekam, gingen mir auf die Nerven. Trotzdem stieg ich immer öfter dort ein, denn langsam bildete sich da eine lustige Runde.
Eines Nachts kam „Rettungsring“ dazu. Er wurde mit großem Hallo von den anderen Chattern begrüßt, war also bekannt. Nach einigem Hin und Her – er war absolut schlagfertig und hatte ein gepflegtes Deutsch drauf, lud er mich in einen anderen Raum ein, wo die anderen nicht hinkonnten. Dort ging zuerst die Post ab. Wir alberten herum, wurden bald direkter, dann schon sehr direkt. Wir wollten einander kennenlernen.
Wir lernten uns kennen. In einem Ausflugsgasthaus an irgendeinem kleinen See, praktischerweise mit Fremdenzimmern. Kennzeichen war jeweils eine Stuttgarter Tageszeitung. Als er zielstrebig an meinen Tisch kam, ich war vor lauter Nervosität zehn Minuten früher dran, wollte ich sofort flüchten. „Rettungsring“ war ungeschlacht, wie ein unbehauener großer Stein, den noch kein Bildhauer in der Arbeit gehabt hatte. Ein großer Kopf, abstehende Ohren, wuscheliges Haar, grobe Züge, aber sehr schöne, eher lodernde Wolfsaugen. Auch seine Hände waren schön, wie Pianisten Hände. Alles in allem wirkte er wie Kokoschka in seinen jungen Jahren.
Nach einigem verbalen Geplänkel kam er zur Sache. „Ich hab uns hier ein Zimmer bestellt, mit Seeblick, gehen wir hinauf“? Ich war durch die intelligente, aber anregende Unterhaltung mit ihm doch neugierig. Was konnte schon geschehen, was ich nicht wollte, dachte ich mir im Stillen. Ich kann immer noch aufstehen und gehen.
Doch dazu kam es dann nicht. Die erste Nacht mit „Rettungsring“ wurde zu einem Schlüsselerlebnis für mich. Denn meine spärlichen, kümmerlichen Orgasmen konnte ich an den Fingern einer Hand zählen.
Er zog sich zuerst aus. Der nächste Schock für mein ästhetisches Empfinden. Er war am ganzen Körper behaart wie ein Orang Utan. Nur die Hände und Unterarme und Teile der Brust waren rasiert. Sogar am Rücken wuchsen ihm Haarbüschel heraus. „Das pack ich nicht“, war meine erste Reaktion. Nackt stand er vor mir, ich war noch vollständig angezogen, hatte sogar die Schuhe noch an. Ruhig ließ er sich von mir in Augenschein nehmen. „Ich weiß“, meinte er beiläufig, ich schau aus wie ein unfertiger Waldschrat. Aber das täuscht“. Seine Stimme war warm, aber sehr männlich. Diese Stimme, die Hände und die Augen waren es dann, die mich umstimmten.
Er begann mit langsam und gekonnt zu entkleiden. Hauchte da und dort einen Kuss auf irgendeine Stelle meines immer nackter werdenden Körpers. Er hatte trockene Lippen, schmatzte nicht. Ein Segen! Dann war ich nackt. Auch er sah mich aufmerksam an, beobachtete meine Reaktionen. Ich wollte mich mit irgendeinem Fetzen bedecken. „Lass das, bitte, Du brauchst dich nicht zu verstecken, Du bist wie Du bist. Und ganz ohne OP- Narben, eine natürliche Frau, das mag ich. Seine Worte beruhigten meine aufkommende Panik sofort. Er fing an mich zu küssen. Tief, innig, gekonnt. Mir wurde sehr warm. „Also küssen kann er, dachte ich. Dann wurden seine Hände aktiv. Er streichelte mich sanft, aber nicht zu sanft, ich durfte überhaupt nichts machen, nur genießen. An meiner Hautreaktion sah er meine steigende Erregung. Überall hatte ich hektische rote Flecken, ich hechelte manchmal, wollte mehr. Doch er ließ sich Zeit. „Wir haben die ganze Nacht gebucht“, meinte er lächelnd.
Er hob mich vom Bett, legte mich in einen großen Lehnstuhl, der auch im Zimmer stand. Dann spreizte er meine Schenkel, besaß sich meine total offen vor ihm liegende Fut ganz genau. Ich spürte, wie sie bereits pulste, doch noch immer streichelte er mich nur. Ich war dem Wahnsinn nahe. „Sag es, sag es, was Du willst, dann mache ich es Dir!“ „Gib mir Deine Zunge, Deinen Schwanz“, schrie ich fast. Er lachte. „Später“, meinte er lakonisch. Noch immer besah er sich meine offen vor ihm liegende Scham, die immer stärker pulste und arbeitete. Manchmal tupfte er ganz leicht auf die Schamlippen, die immer stärker anschwollen. Ich fühlte wie sich da unten ein Tropfen löste. Jetzt fing er diesen Tropfen mit seiner Zunge auf. Seine Zunge fuhr tiefer, durchwühlte mein Geschlechtsteil, ich raste bereits. Beide fühlten wir, dass ich kurz vorm Kommen war. Blitzschnell drehte er mich um und rammte mir seinen jetzt gewaltigen Schwanz von hinten in die Möse. Gerade dann, als ich in einer inneren Zuckung meinen ersten Orgasmus seit langem spürte. Er stieß und stieß, rammelte unverdrossen immer weiter, obwohl ich schon total fertig war und mich nur mehr ein wenig ausruhen wollte. Da, noch ein Orgasmus. Und noch einer. „Es gibt sie also, die multiplen Orgasmen“, dachte ich. Dann lagen wir beide total erschöpft auf dem Bett.
Heute sehen wir uns einmal pro Woche. Walter- „Rettungsring“ ist glücklich verheiratet, hat drei Kinder, lebt in der Nähe von Stuttgart und will eine fixe Partnerin zum vögeln. Und nicht mehr.
Ich aber will mehr. Ich lebe in einer sexuellen Hörigkeit, er hat mich von ihm abhängig gemacht. Darum sehe ich mich nach was Neuem um. So geht’s es nicht weiter, Mein „Rettungsring“ wird mir zu gefährlich.

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